Warum Gelenke schmerzen?

Laut neuesten Studien klagen mehr als 15 Millionen (!) Deutsche über chronische Gelenkbeschwerden. Die Schmerzen in den Scharnieren unseres Lebens gelten damit als Volkskrankheit Nummer 1 in Deutschland.

Die Ursachen der Beschwerden sind äußerst vielfältig – wir haben nachfolgend einmal die häufigsten Gründe für Sie zusammengetragen:

Arthrose ist mit großem Abstand die häufigste Gelenkerkrankung in Deutschland. Mehr als 12 Millionen Deutsche sind betroffen. Sie beschreibt die langsam fortschreitende Abnutzung der schützenden Knorpelschicht in unseren Gelenken. Normalerweise ist das sensible Knorpelgewebe im Gelenk in der Lage, kleine Schäden und Abnutzungen selbst zu reparieren – diese Regeneration vollzieht sich jedoch nur äußerst langsam über Monate hinweg. Übersteigen die Abnutzungskräfte ein gewisses Niveau (z.B. altersbedingt oder bei langer Tätigkeit in gelenkschädigenden Berufen), schreitet die Zerstörung des sensiblen Knorpelgewebes irgendwann schneller voranschreitet, als sich die Knorpelzellen selbst regenerieren können. Das Gleichgewicht im Gelenk geht verloren. Ab dem 60. Lebensjahr sind mehr als 80 Prozent aller Deutschen betroffen. Im fortgeschrittenen Stadium ist der Knorpel häufig komplett zerstört und es reibt Knochen auf Knochen.

Häufigste Ursachen:
Altersbedingte Abnutzung, Akute oder dauerhafte Überlastungen (z.B. beim Sport oder berufsbedingt), dauerhafte Fehlhaltungen, ungenügend verheilte Verletzungen, genetische Vorbelastung.

Zumeist betroffene Gelenke:
In der Regel zuerst jene Gelenke, die zeitlebens große Lasten tragen müssen, u.a. Kniegelenke, Hüftgelenke und Sprunggelenke. Grundsätzlich können jedoch alle Gelenke betroffen sein.

Typische Symptome:
Anlaufschmerzen am Morgen, Belastungsschmerzen (u.a. beim Treppensteigen) bis hin zum Dauerschmerz. Hinzu kommen Entzündungssymptome (Anschwellen, Rötung) und eine deutliche Einschränkung der Beweglichkeit.

Die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung ist die rheumatoide Arthritis, im Volksmund oft „Rheuma“ genannt. Mehr als 1 Million Deutsche sind allein von Gelenkrheuma betroffen. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. Chronische Gelenkentzündungen gelten als größtes Gift für die langfristige Gelenkgesundheit. Unbehandelt schreitet die Krankheit ungehemmt voran und zerstört allmählich die Gelenke. Die Entzündung wirkt dabei im Gelenkknorpel wie ein Brandbeschleuniger. Das sensible Knorpelgewebe vernarbt allmählich und wird zerstört, die Pufferwirkung zwischen den Knochen wird stark gemindert. Das Risiko für Gelenkarthrose steigt um ein Vielfaches.

Häufigste Ursachen: Die rheumatoide Arthritis ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Hierbei bildet unser Immunsystem Antikörper gegen die eigenen Körperzellen (z.B. Gelenkknorpel) statt gegen externe Viren oder Bakterien. Diese Fehlsteuerung führt zu den quälenden Entzündungen. Die Gründe für die Fehlleitung des Immunsystems sind weiterhin unbekannt. Eine genetische Veranlagung wird vermutet.

Zumeist betroffene Gelenke: Die Krankheit beginnt in 90 Prozent der Fälle in den Finger- und Handgelenken. Später weitet sich die Entzündung auch auf weitere Gelenke aus (typisch: Schulter, Ellbogen, Knie). Ein typisches Merkmal der rheumatoiden Arthritis ist das gleichzeitige Vorhandensein der Beschwerden auf beiden Körperseiten (z.B. Handgelenke links und rechts betroffen).

Typische Symptome: Neben Bewegungseinschränkungen (u.a. Morgensteifigkeit sowie Unfähigkeit die Faust zu ballen) kommt es zu Gelenkschwellungen/-ergüssen, Überwärmung sowie Schmerzen. Die Krankheit verläuft typischerweise in Schüben. Bei ungefähr einem Fünftel der Betroffenen bilden sich sogenannte Rheumaknoten, meist in Hand oder Ellbogen.

Wohl jeder von uns hat es schon erlebt. Nach sportlicher Betätigung, körperlicher Überlastung oder falschen Bewegungen ächzen am nächsten Tag unsere Gelenke. Die akute Überanstrengung bzw. Überreizung ist dank unserer Hausmittel meist nach ein paar Tagen wieder vorbei. Und dennoch ist Vorsicht angesagt:  Bei Verletzungen oder wiederholten Überanstrengungen der Gelenke kommt es immer auch zu Schäden am sensiblen Knorpelgewebe in unseren Gelenken. Diese können mikroskopisch klein oder auch mehrere Quadratzentimeter groß sein. Das Fatale: Der Knorpelschaden bleibt nicht so klein, wie er zunächst ist. Wird er nicht behandelt, entsteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Arthrose, die schnell das gesamte Gelenk erfassen kann.

Häufigste Ursachen: Vorübergehende körperliche Überlastung, z.B. Umzug, übertriebene sportliche Betätigung, falsche Bewegung gemacht, akute Sportverletzungen (Umknicken, Stauchung, etc.)

Zumeist betroffene Gelenke: Stark abhängig vom individuellen Risikoprofil jedes Betroffenen. Sportverletzungen oder -überlastungen betreffen statistisch überdurchschnittlich häufig die Knie, Sprung- oder Schultergelenke. Permanente Fehlhaltungen belasten überdurchschnittlich häufig die Wirbelsäule sowie Hüftgelenke.

Typische Symptome: Akute Gelenkverletzungen oder -überlastungen gehen mit Schwellungen, Überwärmung bzw. Rötung des betreffenden Gelenks einher, zum Teil mit einem Gelenkerguss. Die Schmerzen hängen von der Art und Intensität der akuten Gelenkschädigung oder Überreizung ab: Während ein großer Teil der Betroffenen den Schmerz nur bei Belastung spürt, leiden Einige in den ersten Tagen nach dem Vorfall sogar unter Dauerschmerz.

Die Schuppenflechten-Arthritis (Psoriasis-Arthritis) ist eine chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung (Arthritis), die ausschließlich zusammen mit einer Schuppenflechte (Psoriasis) auftritt. Bis zu 15% aller Schuppenflechte-Patienten sind betroffen. Die Betroffenen leiden an schmerzhaften Entzündungen der Wirbelsäule, Gelenke und Sehnen – und gleichzeitig einem Schuppenflechtenbefall von Haut und Nägeln.

Häufigste Ursachen: Wie die rheumatoide Arthritis ist auch die Psoriasis-Arthritis eine Autoimmunerkrankung. Hierbei bildet unser Immunsystem Antikörper gegen die eigenen Körperzellen (z.B. Gelenkknorpel) statt gegen externe Viren oder Bakterien. Diese Fehlsteuerung führt zu den quälenden Entzündungen. Die genaue Ursache der Fehlsteuerung des Immunsystems ist noch immer unbekannt. Forscher vermuten Infektionen oder genetische Veranlagung als Auslöser.

Zumeist betroffene Gelenke: Bei der großen Mehrheit der Betroffen (80 Prozent) sind zu anfangs nur wenige Gelenke betroffen (weniger als 5), im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis nur auf einer Körperseite. Hierbei stehen die rumpffernen Gelenke im Vordergrund (Arme, Beine). Bei 20 Prozent aller Psoriasis-Arthritis-Patienten ist zudem die Wirbelsäule entzündet.

Typische Symptome: In 90% aller Fälle zunächst Schuppenflechtenbefall der Haut, anschließend Ausbildung von Entzündungen an Gelenken, Sehnen und Schleimbeuteln. Die Entzündung äußert sich durch Schwellungen, Überwärmung und Rötung sowie in Schüben wechselnde Schmerzen.

Zu einer der schmerzhaftesten Gelenkerkrankungen zählt die Gicht. Grund der starken Schmerzen sind Ablagerungen von Harnsäurekristallen in unseren Gelenken. Ca. 80-85% der Gichtbetroffenen sind Männer, bei ihnen stellt die Gicht ab dem 40. Lebensjahr die häufigste entzündliche Gelenkserkrankung dar. Frauen sind bis zu den Wechseljahren in der Regel durch die weiblichen Geschlechtshormone geschützt, danach können auch sie erkranken.

Häufigste Ursachen: Bei Gicht ist die Harnsäurekonzentration im Blutkreislauf permanent zu hoch. Dieser Überschuss lagert sich in Kristallform über Jahre in unseren Gelenken ab. Der Überschuss ist mehrheitlich getrieben durch dauerhaft einseitige oder falsche Ernährung: Zuviel Fleisch, Fisch, Innereien, Meeresfrüchte. Die in diesen Lebensmitteln enthaltenen Purine werden vom Körper in Harnsäure umgewandelt. Wird zudem viel Alkohol zu sich genommen, wird die Fähigkeit unserer Nieren, diese Harnsäure wieder abzubauen, zusätzlich geschwächt.

Zwischen 20-30 Prozent der deutschen Männer haben zu hohe Harnsäurewerte, ohne dass sie es wissen. Oftmals gibt erst ein besonders großes Zechgelage den finalen Ausschlag für den ersten nächtlichen Gichtanfall. Daneben gibt es einen geringen Prozentsatz Betroffener, bei denen die Harnsäureausscheidung der Nieren von Geburt an vermindert ist (genetische Veranlagung).

Zumeist betroffene Gelenke: In der Regel tritt der erste akute Gichtanfall im Gelenk des großen Zeh auf, es können jedoch auch Finger-, Hand- oder Sprunggelenke betroffen sein.

Häufigste Symptome: Die scharfkantigen Harnsäurekristalle führen zu Entzündungen, heftigsten Schmerzen, Schwellungen und hochgradiger Berührungsempfindlichkeit des betroffenen Gelenks. Es verfärbt sich zudem deutlich rot oder bläulich. Unbehandelt entwickelt sich aus einem akuten Gichtanfall eine chronische Gicht, die Abstände zwischen den schmerzhaften Gichtattacken werden immer kürzer. Es kommt zur Bildung charakteristischer Gichtknoten an kühleren Körperstellen (Finger, Ellbogen, Füße). Zudem kann es neben den Gelenken auch zu Harnsäureablagerungen in den Nieren kommen. Es bilden sich die gefürchteten Nierensteine, einhergehend mit schmerzhaften Nierenkoliken.

Die obigen Ausführungen stellen nur einen kurzen Überblick der vielfältigen Ursachen von Gelenkschmerzen dar und ersetzen keine Arztdiagnose. Wenn Sie sich unsicher über die Ursachen Ihrer Gelenkbeschwerden sind oder medizinischen Rat benötigen, fragen Sie bitte Ihren Haus- oder Facharzt.

Wann sollten Sie zum Arzt?

So vielfältig die Ursachen von Gelenkschmerzen sind, so unterschiedlich äußern sich die Beschwerden von Person zu Person. Häufig lassen sie sich mit bewährten Hausmitteln lindern oder verschwinden manchmal wieder von allein. Bei einigen Symptomverläufen ist jedoch Vorsicht geboten – in diesen Fällen sollten Sie unbedingt zum Arzt:

1.
Ihre Gelenkbeschwerden verschlechtern sich akut trotz Therapie
2.
Ihre Gelenkbeschwerden halten trotz Therapie länger als drei Tage an oder greifen auf andere Gelenke über
3.
Es sind mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen oder die Schmerzen wandern von einem Gelenk zum nächsten
4.
Zusätzlich zu Ihren Gelenkschmerzen stellen Sie plötzlich neue Begleitsymptome fest, z.B. Hautausschlag, Fieber, Schüttelfrost, Gewichtsverlust oder starke Müdigkeit
5.
Bei offensichtlichen schweren Verletzungen der Gelenke
6.
Wenn Sie sich unsicher über die geeignete Behandlung Ihrer Gelenkbeschwerden sind oder einen medizinischen Rat benötigen.